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Impressionen zum ALTAI – Mann Frau Visionscamp

von Notburga Surabhi Fischer (www.mann-frau.com)

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Das Altai Gebirge ist sehr gross, gut 2500 km lang und 1000 km breit und erstreckt sich südlich vom russischen Sibirien, über Kasachstan und China bis tief in die Mongolei zur Wüste Gobi. Es gibt viele Berichte von Schamanen und Heilern in dieser vielfach noch unberührten Gegend. Die Natur ist eindrücklich schön, voller Kraft wild und geheimnisvoll. Sie lädt ein zum verweilen, zum Sein und um sich für die Essenz des Lebens zu öffnen.

Unser Verhältnis zur Natur ist einfach anders.
Ein Berg ist ein Berg,
und wenn ich auf diesem Berg sitze,
dann bin ich Stein und ruhe.
Und wenn ich dann über die Steppe gehe,
dann bin ich Gras, ich fühle,
wie ich wachse oder verdorre, dufte oder raschle.
Und wenn ich durch einen Fluss gehe,
dann bin ich Wasser, ich fließe.
Diesen Gedanken kann ich auf andere Dinge auch übertragen.
Mal bin ich Gletscher, mal Baum, mal Wind,
zum Atem des Sturmes reifend
immer bin ich Teil der Erde und des Himmels.

Galsang Tschinag (Schamane und Autor aus dem Altai)

Mit 32 Russen und 8 Westeuropäer und einem 10 köpfigen Team haben wir im Juli 2009 in einem grossen Zelt auf einer Lichtung nahe beim Telezkoje See ein 10 tägiges MannFrau Camp geleitet. Nach fast 15 Jahren, seit den eindrücklichen MannFrau Camps im Kaukasus, waren wir das erste Mal wieder in Russland.

Einiges hat sich verändert seit der Öffnung des eisernen Vorhangs. Nebst den bunten Werbeplakaten gibt es in Russland auch im Seminarbereich mittlerweile ein grosses Angebot. Das zunehmende Konsumverhalten hat einen spürbaren Einfluss auf die unschuldige Offenheit der Herzen und die einfache Seinsqualität vieler russischen Frauen und Männer, die wir damals sehr berührend erlebt haben.

Von Amrita, der russischen Projektkoordinatorin hörten wir einige grenzüberschreitende Geschichten. Sie finden unter anderem in Tantrakursen statt. Einige Leiter pflegen dort sexuelle Kontakte mit den Teilnehmenden. Leider scheint bei den Frauen und Männern noch wenig Sensibilisierung für solche Missbrauchsthemen vorhanden zu sein.

So waren wir Pioniere mit unserer Arbeit und den Elementen von Sexual Grounding®, das mit einem sehr differenzierten Rollenverständnis arbeitet. Zum Beispiel haben wir eine Regel, dass Teilnehmende untereinander keine neuen sexuellen Beziehungen eingehen dürfen, da es in unseren Seminaren nicht um äusserliche intensive Erlebnisse geht, sondern um die Vertiefung der sexuellen Liebes- und Beziehungsfähigkeit.

Es gibt offenbar viele Brüche in russischen Beziehungen auch in der Generationenlinie (zu den Eltern und Grosseltern). Viele Frauen leben allein erziehend mit ihren Kindern und tragen viel auf ihren Schultern - einige Männer trinken, oder sind wenig präsent – und doch gibt es auf beiden Seiten eine grosse Sehnsucht nach „harmonischen Beziehungen“ (wie es einige ausgedrückt haben).

Erschreckend viele Frauen lassen sich kosmetisch operieren, um dem äusseren Schönheitsideal näher zu kommen, oder in der Hoffnung, der Mann würde dann bleiben. Zwischen den Frauen gab es immer wieder sehr heftige emotionale Ausbrüche als Ausdruck für ein mangelndes Vertrauen und wenig Boden unter Frauen. Wir hörten einige Geschichten von Müttern, die in ihrer Überforderung ihre Kinder schlagen.

Trotz vieler schwieriger Hintergrundsgeschichten offenbarte sich uns die russische Seele auch fröhlich und lebendig, was nicht nur im gemeinsamen Singen russischer Lieder ums Feuer spürbar wurde. Beeindruckend war auch der Spontaneinsatz der Männer, die uns in Kürze ein 150m2 grosses Arbeitszelt inklusive Stromversorgung und Beleuchtung aufgestellt haben.

Insgesamt gab es eine sehr gute Resonanz zu unserem ressourcenorientierten Ansatz des „Nachnährens“ und eine respektvolle Annäherung der Geschlechter in Würde.

Als gegenseitige Bereicherung nahmen die Russen von den Westeuropäern ein Bewusstsein im Umgang mit Grenzen, Respekt füreinander und vor allem „Würde“ mit.

Die Westeuropäer waren beeindruckt von der russischen Intensität der Emotionen und auch der Spontanität, die sich bis hin zur Dramatik ausweiten konnte und ihren „grossen Herzen“.

Einige gegenseitige Klischeebilder, die auch noch aus dem zweiten Weltkrieg stammen, konnten von beiden Seiten verabschiedet werden und eine verbindende Kommunikation jenseits der Sprache entstand.

Für uns ist es immer wieder eine Bereicherung mit Männern und Frauen aus so unterschiedlicher kultureller Herkunft zu arbeiten. Immer wieder können wir beobachten: „Je tiefer wir die essentiellen Lebensthemen berühren, umso ähnlicher und näher kommen wir einander im einfachen Mensch Sein“.

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